Fest mit drei verbrieften Ursprüngen
Wehrhafte Bürger, die sich im Zielschießen übten und dann den treffsichersten Schützenkönig feierten. Dazu galt es den erfolgreichen Ausfall des Jahres 1504 zu begehen. Und schließlich ist seit dem 17. Jahrhundert der "Schäfersprung" überliefert. Die Schäfer aus dem Umland versammelten sich dazu in Brettheim.
Gleich drei Quellen also, die historisch verbrieft hinter dem Peter & Paul-Fest stehen. Quellen mit Symbolkraft: bäuerlich bodenständig und fortschrittlich bürgerlich waren die Grundlagen für den Einfallsreichtum, der das Brettener Fest gerade heute ausmacht. Brettener in historischen Gewändern und Gäste aus aller Welt bevölkern Straßen und Plätze der Stadt: Ein farbenfrohes Bild und Abbild der Geschichte Brettens, der Patrizier, Bürger, Handwerker, Bauern, Landsknechte oder Fahrenden.
Am Anfang war das Schützenfest
Ladebriefe von 1517 und 1578 belegen eine Schützengesellschaft bereits im 16. Jahrhundert. Die Wettschießen 1540, 1691 und 1760 sind mit einem Volksfest verbunden. Der 29. Juni, der Tag Petrus und Paulus, ist 1745 erstmals als Festtag historisch belegt - allerdings ohne Bezug zum Ausfall von 1504. 1805 erhalten die Bürgeroffiziere die Genehmigung, das Freischießen wieder am Peter & Paul-Tag abzuhalten. Die Gründung des Brettener „Bürgermilitärcorps“ 1824 ist die Geburtsstunde des Peter & Paul Fests, wie man es heute kennt. Die Statuten des Corps stellen erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Freischießen, dem Volksfest und dem Ausfall am 28. Juni 1504 her. Bis zu seinem vorläufigen Ende 1848 bleibt das Freischießen der Kern des Peter & Paul Fests. Nach dem Ende der Revolution in Baden werden alle Waffen eingezogen. An ein Freischießen ist nicht mehr zu denken. Das Fest lebt als Kinderfest weiter.
1923 wird der Schützenverein wieder gegründet. Ein Jahr später stellt der Verein eine Schützengilde auf: Das Fest lebt wieder auf. 1934 erhält es durch die Förderung der Stadt den Charakter eines städtischen Volksfestes. Die neu uniformierte Bürgerwehr, eine Abteilung des Schützenvereins, hat zahlreiche Verbindungen zu auswärtigen Bürgerwehren hergestellt. Das Fest wird größer. Der zweite Weltkrieg beendet alles.
Mittelalter nach dem Krieg
1950 wird das Fest wiederbelebt - mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung. Mit dabei: die wiedererstandene Bürgerwehr, Vereine und die Stadt. Peter & Paul entwickelt sich zum bedeutendsten Volksfest in der Region. Anfänglich noch als Schützenfest, mit Bürgerwehren aus Baden und Württemberg auf dem Marktplatz. Danach wird das Fest mehr und mehr mittelalterlich. Die 1200-Jahr-Feier der Stadt 1967 und die Tatsache, dass Philipp Melanchthon als Kind die Ereignisse von 1504 miterlebte, beflügelt die Brettener zu immer genauerer Darstellung der spätmittelalterlichen Zeit. Gruppen und Vereinen entstehen. Das Festgelände wird immer größer, dringt in die Gassen der Altstadt vor und bereitet Platz zur Darstellung des mittelalterlichen Lebens.





